Eine Gruppe von 4 Schauspielern steht im schwarzen Bühnenraum und schauen in die Ferne.
Eine Gruppe von 4 Schauspielern steht im schwarzen Bühnenraum und schauen in die Ferne.
 

Schauspielunterricht vor Publikum Mai 2013

Hamlet als Jesus

Aktiver Vortrag: „Spiel`s noch einmal - Hamlet“ 25. Mai 2013

Schwarzes Bühnenbild. Vier in schwarz gekleidete Schauspieler, 2 Männer und 2 Frauen agiern mit Gesten und Händen auf der Bühne. Sie scheinen im eifrigen Dialog miteinander. Die Männer stehen im Hintergrund. Im Schauspielunterricht Foto: Gianni Sarto

„Iiiiiooouvala!“ singt Gisela Robert ins Gesicht. „Kopjutooooui babala!“ ruft dieser ihr zurück. Beide umgarnen und krümmen sich in schwarzen Outfits. Verzerren ihre Gesichter und rufen sich weiter unverständliches Kauderwelsch entgegen. „Es darf auch geklatscht werden“, unterbricht Wolfgang Keuter, Schauspiel-Coach und kreativer Leiter des TheaterLabors TraumGesicht e.V. die erste Darbietung. Gleich darauf füllt sich der Bühnenraum des Theatermuseums mit Applaus.

Diesen Samstag üben neben Gisela und Robert sechs weitere Teilnehmer des Schauspielkurses erneut vor Publikum. Die anwesenden Zuschauer erleben hautnah, was es bedeutet, für die Bühne geschult zu werden. Stimmübungen in Phantasiesprache und Improvisationseinlagen gehören zu den Vorgaben des Kursleiters.

Immer wieder Hamlet in unzähligen Ausdrücken
„Ich bin eine gepresst gestresste Stimme“, presst Doris gestresst hervor. „Ouuuueeeei“, heult Robert wie eine Katze. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Kurses bekommen je eine typische Stimme zugeordnet. Immer wieder unterbricht der Kursleiter die Auftritte mit Ideen und Feedback zu den kleinsten emotionalen Ausdrücken, denn die Übungen und Methoden sollen am Ende sitzen. Erneut instruiert Keuter in eine abstrusen Geste oder Stimmlage seiner Zöglinge hinein: „Und jetzt sprich einen Satz aus Hamlet. In dieser Haltung und Stimme!“
Die Ergebnisse sind erstaunlich. Der eine Hamlet lacht kindlich keck, der zweite jammert und auch die Königin-Mutter zeigen die Schauspielerinnen von zungenlahm bis aggressiv. Und so erleben die Zuschauer im Theatermuseum auch eine mit religiöser Euphorie geschwängerte Gabriela, die sich „Hamlet als Jesus Christus“ vorstellen soll. Es funktioniert, die Königin begrüßt ihren Sohn ekstatisch strahlend, auch wenn der Text eigentlich vorgibt, dass beide sich ziemlich streiten.

Nach der Vorstellung, verwandelt sich die Spielerin wieder zu Gabriela Dierkes (62), und freut sich vor allem darüber, dass ihre Familie sie in Bühnenaktion sehen konnte: „Sie waren ganz angetan. Die kannten das ja so nicht von mir, aber freuen sich, dass es mir Spaß macht.“

Beim Spielen vor Publikum entstehe „eine Verbindung zwischen Spielern und Publikum, die man als mystisch beschreiben kann“, schwärmt Keuter. „Die Schüler sollen ihre Angst überwinden, vor Zuschauern zu spielen, indem sie das Vertrauen in die Übungen und in sich bewahren“, umschreibt er seine Zielsetzung.

Spielen für die positive Entwicklung
Im Publikum sitzt Nicole Meier, sie kennt den Schauspielunterricht bisher für das Fernsehen und „das ist ja eigentlich ganz anders als im Theater. Im Theater gibt es ein bisschen mehr Gestik, mehr laute Stimme und Übertreibung.“ Sie empfiehlt jedem, sich den Unterricht anzuschauen, denn es gebe viele Dinge, die man auch für sich persönlich in den Alltag mitnehmen könne, meint Meier: „Gerade die Idee, dass man Bilder im Kopf selbst fabriziert, sich seine Stimmung baut und mit einer positiven Stimmung hinausgeht.“ Sie selbst bewirbt sich nun ebenfalls um einen Platz in der Schauspiel-Truppe.

Die Zuschauer bewerten die Darbietungen am Ende „mitreißend“, und verlassen den Raum gut gelaunt. Zwar sind dieses Mal viele Plätze frei geblieben, doch Keuter betont vor allem den Effekt für seine Schüler und Schülerinnen: Der Schauspielunterricht vor Publikum sei eine Übungsmethode, aber „wir spielen in erster Linie für uns - für unsere eigene Entwicklung.“

 

Text: Martin Pyka

Fotos: Gianni Sarto

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