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Absichtsloses Spielen, ein saumäßiger Spaß!

Absichtsloses Spielen, ein saumäßiger Spaß!

Von Kira Krause | 27 Dezember 2019 |

Oft entsteht eine faszinierende Stimmung

Otte Lücke ist 61 Jahre alt und kommt aus Ratingen. Er arbeitet als Heilpraktiker für Psychotherapie und nimmt in seiner Freizeit an dem Präsenzseminar und gelegentlichen TheaterWorkshops des TheaterLabor TraumGesicht teil. Doch wie haben sich Ottos Wege und die des TheaterLabors eigentlich gekreuzt?

Kira: Wie bist du zum TheaterLabor TraumGesicht Düsseldorf gekommen?

Ein Mann mit weißen Haaren, die zu einem Pferdeschwanz gebunden sind, zeigt eine asiatische Handgebärde. Er hat ein freundliches Gesicht.Ich kenne Wolfgang schon seit fast 30 Jahren. Das erste Mal haben sich unsere Wege in Essen gekreuzt. Mein Interesse für seine Arbeit habe ich dann später für mich entdeckt und habe die ersten Angebote wahrgenommen. Nach einer kurzen Pause, bedingt durch Schule und Elternzeit, habe ich meinen Weg zurückgefunden und erneut die vielseitigen Möglichkeiten des TheaterLabor TraumGesicht genutzt. Ich nehme hauptsächlich an dem aktuell freitags stattfindenden Präsenzseminar teil.

Kira: Außerhalb dieses Präsenzseminars. Hast du auch schon an Stücken mitgewirkt und warst Teil eines Ensembles?

Das Angebot der Ensemblearbeit nehme ich nicht wahr. Ich konzentriere mich lieber auf das Präsenzseminar. Hier steht besonders der Spaß im Vordergrund. Ein absichtsloses Spielen, welches von innen heraus kommt. Wir machen es, weil es uns gut tut. Auch wenn es mir nichts ausmachen würde vor Publikum aufzutreten, konzentriere ich mich lieber auf kleinere Szenenarbeiten innerhalb unserer Gruppe, ohne Druck. Wir sind gegenseitig unser Publikum und das ist vollkommen ausreichend.

Kira: Könntest du mir den Verlauf einer Unterrichtsstunde kurz skizzieren?

Z. B. wenn wir einen langen Freitag haben wie heute, kommen wir für 4 Stunden zusammen, ansonsten für 2 Stunden. Zu Beginn stehen wir zusammen und halten inne. Eine Art Ritual. Danach kommen wir zum Sitzen und Tönen. Wir arbeiten mit der Stimme und lassen eine oft faszinierende Stimmung entstehen. Anschließend sitzen wir 10 Minuten in der Stille, gefolgt von Aufgaben, die sich Wolfgang vorgenommen hat.

Kira: Was kann ich mir unter solchen Aufgaben vorstellen?

Wolfgang hat mehrere Listen mit unzähligen Übungen. Jede Woche steht etwas Neues auf dem Plan. Heute hatten wir das Thema: Konzentriert auf die Füße bleiben. Die Aufgabe bestand darin, hastig loszulaufen, zu stoppen, sich umzudrehen und in eine andere Richtung zu laufen. Nach einer gewissen Zeit kam dann auch die Stimme dazu, beziehungsweise Texte, die wir uns selbst ausdenken konnten. Jeder war in diesem Moment auf sich konzentriert. Anschließend haben wir die Übung, Tanz der Gelenke, gemacht. Wie nach der Art des Slow Acting, wird sich hier sehr langsam bewegt und hat zum Ziel, jedes Gelenk wahrzunehmen und zu bewegen. Diese Übung stand unter dem Thema: Ich bin angekommen.

Nach einer Teepause ging es weiter und wir standen auf der Bühne. Jeder hatte einen Zettel in die Hand bekommen, auf dem Sätze standen. Diese mussten wir mithilfe von Sprech- und den im Unterricht erlernten Übungen darstellen. Hier stand nicht die Schauspielerische Leistung, sondern die Technik im Vordergrund.

Kira: Wie nimmst du den Unterricht persönlich war?

Je nachdem in welcher Stimmung ich bin, können diese Stunden fast wie eine Therapiesitzung auf mich wirken. Auch wenn der Spaß hier im Vordergrund steht, können Wolfgangs Anstöße mir oft dabei helfen, zu interpretieren, was ich heute dargestellt habe und was es zu bedeuten hat. Du lernst dich selbst und deinen Körper auf eine andere Art und Weise zu spüren. Es bringt mich zur Ruhe und bietet mir einen Weg meine Mitte zu finden.

Kira: Wie ich sehe arbeitet ihr nicht nur mit Stimme und Bewegungen, sondern auch mit Stift und Papier. Was hat es mit diesen Bildern auf sich?

Das nennt man Geführtes Zeichnen. Jeder bekommt ein leeres Blatt und Zeichenkreide. Zu einem vorgegebenen Thema wird dann mit der schwachen Hand und geschlossenen Augen gezeichnet. Damit soll das unbewusste angesprochen und zu Tage geführt werden. Das heutige Thema beinhaltete die stehende und liegende Acht aufs Papier zu bringen. Danach wird jedes Bild einzeln interpretiert.

Kira: Wie findest du dein Bild und wie hast du es interpretiert?

Ich fand meine Bilder gut. Wolfgang zeigt es einem dann erneut, aber aus einer gewissen Entfernung, also einer anderen Perspektive und plötzlich sieht man etwas ganz anderes und Neues und auch die Wahrnehmungen verändern sich. Das interessante ist, dass man dieses Bild nach der Stunde nicht einfach in eine Schublade steckt und vergisst. Ich persönlich hänge mir die Bilder danach zu Hause auf und denk über die im Unterricht besprochenen und meine eigene Interpretation und Wahrnehmung erneut nach.

Kira: Wo liegt in dieser Arbeit der Unterschied zu den TheaterWorkshops?

Die Freitagsgruppe hat sehr viele verschiedene Facetten. Wir arbeiten mit Gebärden, Tönen und weiteren Übungen. Trotzdem bieten die TheaterWorkshops zusätzliche Bereicherung zu dem Präsenzseminar.

Kira: Würdest du sagen, die Workshops bringen dich auch im Alltag weiter und geben dir einen besonderen Input, den du umsetzen kannst?

Auf jeden Fall. Das was wir hier üben, nehme ich auch mit nach Hause und lerne dort weiter. Ich gehe zum Beispiel ein Mal am Tag in die Stille, töne für mich oder meditiere.
Es hilft mir mich aus Stresssituationen herauszuziehen, in die Ruhe zu kommen oder meine Stimme zu trainieren.

Kira: Wie würdest du deine Leidenschaft fürs Theater oder die Workshops beschreiben?

Du gehst auf und gehst noch einen Schritt weiter. Es ist ein Höhepunkt, der dich deinen Alltag vergessen lässt. Du lernst mit dir zu arbeiten, aber auch mit anderen.
Und das in einer so großartigen und ehrlichen Atmosphäre.

Kira: Danke Otto für Deine Zeit und das wunderbare Gespräch.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Wolfgang Keuter am Januar 19, 2020 um 4:54 pm

    Du bist angekommen. DA!
    Oft habe ich dies an dir erlebt. Schon mit deinen ersten Schritten auf die Bühne. Wie in dir – an dir – Sammlung entsteht. Mit ihr begehst du die Bühne. Deinen Wahrheit bewirkenden und wirksamen Raum.
    Und das LEBEN.

    Dann bist du DA.
    In deiner Präsenz. Und du bemerkst ES!
    Und die sie in Schwingung bringende Resonanz in deiner Tiefe.
    Dann bist du ein Anderer. Dann bist du in deinem SELBST.
    Kein Zwei-feln mehr.
    Kein Wenn und Aber mehr.
    Du bist ganz da!
    Auf der Bühne. Auch außerhalb von ihr – mehr und mehr.
    Saumäßig gut. Ein solches Leben.
    Vital, animalisch und kultisch zugleich. Bleib dran. Mein toi toi toi hast du.
    Habt Dank Ihr Beide. Für Euren Blogbeitrag. Und bis bald Kira. Otto, bis bald.
    Mit Gruß. Wolfgang.

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