Schauspielunterricht im Juni

Schauspielunterricht im Juni

Von Gabriela Dierkes | 01 August 2018 | 0 Kommentare
Vorne links liegt bäuchlinks eine Frau am Bühnenrand. Hinten rechts steht der Regiseur und erklärt sie Szene.

Was war das für ein ergreifendes Ende an diesem Abend im Schauspielunterricht. Ich bin immer noch gerührt. Dinah sang zum Abschluss. Nur diese Zeilen. Giftvolle Schlange! Das ist deine Liebe! Zuerst zaghaft. Dann bei jeder Wiederholung dieser Worte steigerte sich ihre Stimme. Sie ging hoch und runter. Sie vibrierte. Was für eine Singstimme. Selbst Dinah war gerührt. Sie konnte es nicht fassen, dass sie es so weit geschafft hat. Wir jubelten. Der Applaus war da. Zugabe, Zugabe. Zugabe. Doch der Unterricht war zu Ende. Wir gingen zur Abschluss-Steinrunde in den Übungsraum.

Nun der Anfang

Bis alle beisammen waren, war es kurz nach 18 Uhr. Und wir begannen gleich mit der N-Übung. Nur das eine Wort. Nun. Immer und immer wieder. Dabei die Zunge an den Oberkiefer beim n. Und langsam, gefühlvoll aussprechen. Die Arme mit einbeziehen. Hinzu kamen die nächsten Worte nahen neue Wonnen. Alle noch zusammen, doch nach einiger Zeit kamen einzelne Schüler an die Reihe. Zum Schluss den ganzen Vers langsam, mit Betonung auf das n.

Alle Schüler waren nun eingetroffen. Peter kam etwas später. Und so begannen wir dann mit der Steinrunde. Ich war zweimal nicht dabei und war erstaunt, was ich so alles hörte. Ein neuer Schüler war dabei. Jonas. Außerdem noch Wolfgang, Gianni, Marcus, Peter, Walter, Dinah und ich. Peter wünschte sich, dass er etwas mit körperlichen Kontakt spielen möchte und auch den Schillertext mit einbeziehen. Jonas fand diese Idee auch gut. Mit dem Text. Ich wünschte mir singen. Also ging wir nach der Steinrunde gleich in den Schwarzen Raum.

Den Text kannte Peter nicht

Peter sollte nun gleich auf die Bühne. Erzählen, wie er sich das vorstellt mit dem Text. Es ging um die Anfangszeit. Warum der strenge Vater die Söhne dazu brachte, dass sie sich hassten und bekriegten. Ja und den Text kannte Peter nicht. Also ging es an die Arbeit, sich hineinzudenken. Walter kam dazu. Er erzählte Peter, was er vom Vater und den Söhnen wusste. Das der Vater, also der eigentliche Fürst von Messina, einen starken Nachfolger braucht, wenn er mal tot ist. Und nur der stärkste der beiden Brüder sollte der Nachfolger sein. Nachdem dann Peter über den Vater und seine Söhne Bescheid wusste, blieb er wieder allein auf der Bühne. Er spielte den strengen Vater, der seine Söhne zum Kampfe erzieht. Nach einiger Zeit sollte er dann seine Söhne auswählen. Wolfgang Wer könnte deiner Meinung nach ein würdiger Don Cesar sein und wer Don Manuel? Peter schaute ins Publikum und wählte dann Jonas als Don Cesar aus. Und Marcus als Don Manuel. Eine gute Entscheidung.

Jonas als Don Cesar ging auf die Bühne. Erzählte von sich. Ich bin der stärkere. Nur ich bin würdig, der zukünftige Fürst von Messina zu werden. Mein Bruder ist nicht fähig. Er ist schwach. Und ich wollte ihn sogar als 5-Jähiger umbringen. Mit einem stumpfen Messer. Doch es hat nicht funktioniert.

Marcus als Don Manuel ging nun auf die Bühne. Ich bin Don Manuel und bin würdig, der zukünftige Fürst von Messina zu werden. Zwar bin ich nicht so stark wie Don Cesar, aber ich bin klug. Ich weiß alles. Und ein Fürst, der klug ist, ist ein guter Fürst. Anfangs noch etwas zaghaft, doch allmählich kam Marcus in die Rolle.

Das Spiel begann

Da Peter sich Körperkontakt gewünscht hat, lehnte er sich mit seinem Rücken an den Rücken von Jonas. Sein Blick ging Richtung Wand, Jonas Blick nach vorne zum Publikum. Sie sollten nun Zug um Zug, Stopp und Stille das Spiel beginnen. Immer wieder leicht veränderte Körperhaltung. Und Peter als Fürst von Messina begann. Mein Sohn, du bist der stärkere, und wenn ich einmal nicht mehr unter den Lebenden bin, sollst du der neue Fürst von Messina sein. Ich brauche einen starken, kämpferischen Nachfolger. Dein Bruder ist schwach. So hetzte der noch lebende Fürst seinen Sohn Don Cesar gegen seinen Bruder Don Manuel. Und Don Manuel saß nun mittlerweile und bekam diese Hetzerei mit.

Wolfgang ging zu ihm. Don Manuel, wie fühlst du dich jetzt, wo du das alles gehört hast. Marcus als Don Manuel war noch etwas hilflos, wusste nicht was er sagen sollte. Doch es passte so gut. So gut. Und dann begann er, ich bin der schlauere, ich bin zwar nicht so stark wie mein Bruder, aber ich bin schlau und klug. Und Don Manuel nahm eine erhobene Haltung ein. Nachdem Wolfgang ihn aufmunterte. Don Manuel schrie seinen Vater an. Wie kannst du mir das antun, ich bin der würdigere. Der wirkliche Nachfolger, der zukünftige Fürst von Messina. Und der Vater ging zu ihm.

Don Manuel saß und der Vater ging langsam um ihn herum, setzte sich ebenso und lehnte seinen Rücken an den Rücken von Don Manuel. Der Körperkontakt war auch hier entstanden. Wunderbar. Und dann sprach er doch genau die Worte, die er auch zu Don Cesar sagte. Ich will dich als meinen Nachfolger, ich habe das nur zu Don Cesar gesagt, um ihn zu beruhigen. Er ist zwar stark, aber er ist dumm. Sehr dumm. Nur du bist mein würdiger Nachfolger. Was für eine Hetze. Der Vater hetzt die Söhne gegeneinander.

Der Vater greift ein.

Don Cesar hört das, er ist empört. Geht wütend zu Don Manuel. Die Hände zu Fäusten und dann legen sie sich um Don Manuels Hals. Er will ihn eigenhändig erwürgen. Und was macht Don Manuel. Er lacht, er lacht Don Cesar aus. Das ist der absolute Hammer.

Der Vater greift ein. Nimmt beide Söhne bei der Hand. Links von ihm Don Cesar, rechts von ihm Don Manuel. (Vom Publikum aus gesehen) Meine Söhne, das war ein Test, das war nur ein Test. Ihr müsst beschwören, dass ihr nichts eurer Mutter davon erzählt. Ich will euch zu den besten machen. Nur ein Test war es, nur ein Test. Und beide Söhne schwören, dass sie es für sich behalten. Obwohl sie erst fünf Jahre alt sind.

Drei Figuren auf der Bühne

Ein grandioses Spiel. Und nun merkt auch Peter, dass es besser so ist. Nicht mit dem Textbuch in der Hand spielen. Da wäre es nie so hervorragend geworden. Sich reindenken in die Geschichte, zwischen den Zeilen lesen wie Wolfgang immer sagt.

Die Rückmeldungen wurden wieder in Form von Zeitungsreportern gegeben. Dinah als Journalistin von einer Frankfurter Zeitung über Don Manuel. Sie war begeistert. Von der Ruhe die Don Manuel ausstrahlte. Ja, wie er lachte, als Don Cesar ihn erwürgen wollte. Ein neuer Stern am Himmel war geboren. Don Manuel, der Neuzugang in dem Stück.

Walter als Reporter einer Düsseldorfer Zeitung. Ja, er bekommt kein Geld für seine Reportage. Aber er macht es. Das Käseblättchen gibt es ja auch kostenlos. Don Cesar, dieser Draufgänger, dieser Kämpfer. Wie er seine Fäuste ballte in seiner Wut. Sein Blick, der so voller Wut und Zorn war. Das war schon ein sehr guter Neuzugang. Denn auch dieser Schauspieler war neu im Spiel.

Das ist ja wohl ein Ding

Nun kam ich. Es war wieder einmal Gedankenübertragung. Ich dachte so für mich, Peter wählt sicher mich aus und ich bin von einer Hamburger Zeitung. Und so kam es auch. Ich musste echt lachen. Und ging als Reporterin der Zeitung mit den 4 Buchstaben auf die Bühne. Das ist ja wohl ein Ding, da soll ich über diesen Schauspieler da berichten, der Fürst von Messina ist. Eine kleine Behinderung wurde eingebaut.

Ich zog mein Bein nach. Die Bühnenfläche nutzte ich aus. Ich kann es nicht fassen. Es war tatsächlich so. Und mein Körper, meine Gelenke waren voll in Bewegung. Dieser Fürst da, der seine Brüder gegeneinander aufhetzt. Das Don Cesar seinen Bruder Don Manuel ermorden will. Was ist das für ein Vater? Unfassbar. Dieser Fürst. Ich fühlte mich super gut in meiner Rolle als Reporter der Hamburger Zeitung. Ja, es hat mir große Freude bereitet. Wolfgang merkte es, und weil es so schön war, darfst du den nächsten Block schreiben.

Nun sitze ich hier und schreibe und bin fast am Ende. Denn den Schluss im Schwarzen Raum hab ich an den Anfang gesetzt. Weil es einfach so ergreifend schön war.

Giftvolle Schlange! Das ist deine Liebe!

Doch zuvor will ich noch vom dem schönen Spiel zwischen Dinah und Jonas erzählen. Wolfgang fragte uns, wer kennt auf Anhieb einen Satz aus dem Schillertext. Und Dinah sagte sofort Giftvolle Schlange! Das ist deine Liebe! Auch Jonas hatte auf Anhieb den gleichen Satz. Also gingen sie beide auf die Bühne. Nun ein Zug um Zug Spiel entwickeln nur mit diesem Satz. Und richtig wütend und hasserfüllt dabei sein. Das Publikum dabei anspielen. Bei beiden war es erschreckend echt. Der Hass wurde immer größer und so beschwichtigte Wolfgang und sagte Spielt diesen Satz in voller Liebe. Jonas, du siehst Dinah an und zeigst ihr deine Liebe. 

So wurde aus dem hasserfüllten Spiel ein wunderbares Liebesspiel. Die verhärteten Gesichtszüge von Jonas wurden weich und liebevoll. Und als er Dinah liebevoll angesprochen hat, wurden auch ihre Gesichtszüge zart und weich. Sogar ein wenig erwartungsvoll. Nach einiger Zeit berührten sie sich gegenseitig. Das war so schön. Wie Jonas Dinah zärtlich über das Gesicht strich. Ach ja, Liebe ist doch wunderbar. Und Gianni flüsterte Wolfgang ins Ohr, lass doch Dinah diese Zeilen singen. Ja und das war dann der wunderbare Schluss.

Wieder zurück im Übungsraum.

In der Rückrunde haben wir es geschafft, nur eine Person als Favorit auszusuchen. Ich nahm Dinah, weil ich immer noch beeindruckt bin, von ihrem wundervollen Gesang. Jeder war nun glücklich. Die Rückmeldungen waren von allen wieder gut. Gianni war voll angetan, als er beim Vaterspiel Peter dann gut sah, als er mit dem Rücken an Don Manuel lehnte. Seine Mimik, in der die Schadenfreude erkennbar war, dass der Vater seine Söhne gegeneinander ausspielte. Auch fand Gianni es gut, dass Jonas als Don Cesar voll in seiner Rolle geblieben war. Mit den geballten Fäusten und dem Zorn in seinem Gesicht. Walter war von Don Manuel begeistert. Wie ruhig er geblieben ist und sogar noch lachte, als Don Cesar ihn erwürgen wollte. Doch von dem Gesang von Dinah waren alle begeistert.

Ja und nun Ende. Die Freude auf den nächsten Unterricht ist da. Danke an Alle.

Nachtrag.

Wolfgang erinnerte mich an die Szene, in der sich Walter sich in Beatrice verwandelte. Er stand auf der Bühne und sprach den Satz Du bist‘s, ich hab dich wieder, Grausamer. Und da merkte er, dass es ja Beatrice war, die ihn sprach. Also half Wolfgang ihm auf die Sprünge. Spiel es aus, sei Beatrice. Nimm die Hände an deine Brust. Doch Walter hatte noch Hemmungen. Es fiel ihm schwer. Aber immer wieder stupste Wolfgang ihn an. Mach weiter, spüre die Brüste der Beatrice. Sie war lange im Kloster und sehnt sich nun nach Don Manuel. Und immer wieder griff Walter als Beatrice an seine, an ihre Brüste. Und dann hatte er es, die Stimme wurde Beatrice. Walter wurde zu Beatrice. Diese Verwandlung war Dank Wolfgangs Hilfe entstanden. Und Walter als Beatrice war gar nicht mehr gehemmt. Wolfgang als Coach hat es wieder geschafft, mehr aus einem Schüler herauszuholen, als dieser selber glaubt zu können. Das ist toll.

Herzlichst

Gabriela

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