Der 6. Probentag

Der 6. Probentag

Von Doris Horn | 25 Oktober 2017 | 0 Kommentare

Wir sitzen zusammen in lockerer Stimmung und besprechen  den Ablauf der Probe. Zunächst sind Stimmübungen angesagt ,dann konzentriertes Lesen der Szene Leonce – Valerio und Gouvernante mit kleinen Umformulierungen und Streichungen. Zum Schluss  sollen die ersten Gänge geübt werden.

Zurück zu den Stimmübungen

Aus der bequemen Mittellage summen wir das ….mümümü  und …..mimimi… in einem Bogen nach oben und wieder zurück in  die Mittellage. Dabei soll der ganze Kopf als Resonanzkörper  eingesetzt werden  und genügend Atem bis zum Schluss vorhanden sein, damit es zum Ende kein Knödeln gibt. Mit dieser Übung wollen wir uns auf leise Töne einstimmen.

Bei einer der letzten Gruppentreffen ist herausgekommen, dass Peter einen leicht rheinischen Akzent beherrscht, und diesen Akzent soll Peter seinem Leonce angedeihen lassen. Das führt sogleich zu einer ganz authentischen Sprache, zu Leichtigkeit  und  Komik.

Loslassen

Nun geht es weiter mit der Übung des absoluten Loslassens. Dabei legt A sich auf den Boden und entspannt ein Bein, B hebt es langsam hoch und bewegt es vorsichtig. Mit dem anderen Bein erfährt B genauso. Die Schwere des Beins zeigt an wie entspannt man wirklich ist.

Bühnenarbeit

Im dunklen Raum auf der schwarzen Probebühne. Ein Mann mit goldenem Lorbeerkranz sitzt in meditativer Haltung in einem Kreis aus weißer Schnur, rechts davon steht eine große schlanke Frau mit einem hohen Hut und einem Stapel Bücher in der Hand.

Leonce widmet sich dem Müßiggang.

Jetzt beginnt die eigentlich Bühnenarbeit. Leonce tritt auf. In stummem Spiel zeit sich seine ganze Hoffnungslosigkeit. Ein Seil um den Hals und ein Bänkchen vor sich erwägt er den Suizid, entscheidet sich aber in einem spontanen Impuls doch leben zu wollen (das Seil kratzt ihn am Hals) . Er legt mit seinem Seil einen Kreis, der sein „Schutzraum“ ist und verharrt in Meditation.

Die Gouvernante tritt auf mit einem hohen schwarzen Hut auf dem Kopf und einem Stapel Bücher in den Händen. Sie  strahlt beeindruckende Autorität aus, jedoch ihr Bücherangebot, unterstrichen von mehrmaligem Aufstampfen und Zischen, wird von Leonce  lediglich mit einem Grunzen beantwortet. Die so Beleidigte beäugt ihn mit Argusaugen, verrenkt ihren Unterkiefer vor unterdrückter Wut  und verlässt die Bühne. Sigrid hat mit diesem nonverbalen Groll gegenüber Leonce etwas zu kämpfen, aber der Schlagabtausch zwischen Leonces Grunzen und dem „mahlenden“ Kiefer von Sigrid kommt unglaublich komisch rüber.

Die folgende Szene zeigt einen gut gelaunten, lockeren Leonce, der in einer Art Selbstgespräch über sich und die Welt „philosophiert. Es tritt Valerio auf. Mit nur wenigen Mitteln, ein frecher Hut, ein angedeuteter Schnurrbart und ein Liedchen pfeifend, ist seine Figur charakterisiert. Ein leichtfüßiger Dialog zwischen ihm und Leonce entsteht.  Wolfgang schlägt für Belgin einen leicht  ungarischen Akzent vor. Ihre naturgegebene große Beweglichkeit soll mit eingebauten Stopps der Figur noch mehr Kontur und Groteske geben.

Ein langer Probenabend endete etwas ermüdet, aber mit dem Gefühl unglaublich viel an „input“ bekommen zu haben. Das muss erst einmal verarbeitet werden!

 

 

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