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Glück am 3. Advent

Was für ein schöner Titel: “Glückliche Momente”. 

Heute am Sonntag, 11. Dezember war wieder eine Matinee in unserem Theaterlabor. Was für ein schöner Titel: “Glückliche Momente”. Wolfgang Keuter rezitiert Gedichte und Sybille Karrasch lässt dazu Klaviermusik erklingen. Ich bin sehr gespannt und voller Vorfreude, mich von den wunderschönen Gedichtzeilen und Klavierklängen verzaubern zu lassen.

Sybille Karrasch am Klavier und wolfgang Keuter sitzt vorne rechts im Bild. Beide lachen.

“Sozusagen grundlos glücklich”

Was macht (mich) glücklich? Bereits das erste Gedicht von Mascha Kalèko gibt eine überraschende, fast simple Antwort mit ihrem Gedicht: “Sozusagen grundlos glücklich”. Ich freue mich, dass am Himmel Wolken ziehn, dass es regnet, hagelt, friert und schneit … Ich freue mich, dass … dass ich mich freue”. Ja, eigentlich doch ganz einfach. Es braucht keinen besonderen Grund, um glücklich zu sein. Mascha Kaleko beschreibt, wieviel Glück  sich in der Natur finden lässt und was für ein Glück es ist, dieses heitere, warme Gefühl empfinden zu können.

Dies Gefühl, das Joseph von Eichendorff in seinem Gedicht “Mondnacht” so wunderbar romantisch in lyrische Worte fasst: …und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus.”

Als Wolfgang zwei Gedichte aus Japan liest, malen die Worte von weichen Flocken leise fallenden Schnees, von vom Blüten verschleierten Baum und ganz zart sich niedersetzendem Schmetterling sofort Bilder in meinen Kopf. Ich schließe die Augen und lasse mich zuerst von Wolfgangs Lesung, dann von Sybilles Klavierspiel noch mehr verzaubern.

Mal heiter, nachdenklich oder überraschend

Es folgt ein Potpourri von wunderbar zusammengestellten Gedichten von Brecht, Pessoa, Prévert, Heine, Ringelnatz, Hesse, Lissauer und anderen. Mal klingen sie romantisch, mal heiter, nachdenklich oder überraschend. Immer wortgewaltig und berührend. Alle konnte ich sie nicht festhalten, doch manche Zeilen und Bilder wirken nach. Pessoas Hinweis z.B., dass jedes Ding, je nachdem wie wir es betrachten, seine Bedeutung erhält und dass das Gelb der Blume immer wieder ein Neues ist. Ringelnatz‘ fröhliches Liebesgedicht von Nagel und Schraube, das mit den Worten endet …“alte Liebe rostet nicht”; Heines “Brief”, in dem Worte und Küsse “wunderbar vermischt” sind und Henry Mackays so tröstliche wie simple Worte: …”und morgen wird die Sonne wieder scheinen”.

Dichtung und Musik sind eine große Glücksquelle

Wolfgang trägt die Texte mit seiner Sprechkunst und passender Mimik und Gestik stimmig, ausdrucksstark und abwechslungsreich vor.

Und Sybille interpretiert jedes Gedicht, jede Zeile, mit ihrem wunderschönen Klavierspiel. Manchmal ganz leise und zart lässt sie die Töne wie Schneeflocken aufwirbeln, manchmal erklingt Fröhlichkeit, manchmal ein leidenschaftliches Brausen. Ich werde ihrem wunderbaren Spiel nicht gerecht, es ist so schwer in Worte zu fassen, aber es hat mich immer verzaubert und beglückt. Ein wunderbares Zusammenspiel von Wort und Musik!

Zum Abschluss ein Gedicht von Hermann Hesse mit den Zeilen: “Wenn ich mich öffne und werde still … ist Weihnachten nicht mehr weit”. Dazu lässt Sybille ihre Interpretation von “Stille Nacht, heilige Nacht” erklingen.

Es war eine glückliche Stunde, die wir alle miteinander erleben durften. Ich spüre heute deutlich, dass Glück nicht nur in der Natur und dem inneren Erleben liegt, sondern Dichtung und Musik eine große Glücksquelle sind. Dafür gab es kräftigen Applaus und sogar eine Zugabe wurde erklatscht.

Mit ganz viel guter Stimmung trafen wir uns dann noch im Kasino zu Stollen und Kaffee. Angeregte Gespräche, Lachen und Umarmungen zeugten von der Wirkung dieser Matinee voller glücklicher Momente.

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Gabriela Dierkes am 03/01/2023 um 07:48

    Ja, liebe Sigrid, ein wundervoller Vormittag war es. Du hast es so schön beschrieben. Eine unvergessener Morgen.
    Danke für Deine Erinnerung.
    Gabriela

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