Der siebte Ensemble-Übungstag

Der siebte Ensemble-Übungstag

Von Peter Schreck | 28 Oktober 2017 | 0 Kommentare

Nun sind schon viele, viele Tage vergangen. Anhand meiner Aufzeichnungen versuche ich den siebten Ensemble-Übungstag so gut wie möglich einzufangen.

Wie gewohnt haben wir wieder mit den beiden Fragen begonnen „Was war gut beim letzten Mal?“ und „Was wünscht ihr Euch für den heutigen Übungstag?“

Koordination von Atem, Stimme und Bewegung war der Wunsch den Wolfgang dann in der ersten Übung aufgriff. Doch bevor es los ging empfahl uns Wolfgang, dass wir die Stimmübungen auch schon zu Hause üben sollten, so dass wir den gemeinsamen Übungstag direkt mit schon angewärmter Stimme beginnen können.

Tönen mit Konsonanten, die Arme zum Himmel und dann fallen lassen. Schnell, langsam, laut, leise. Dann mit Fantasiesprache, Zug um Zug, dreimal hintereinander, um immer wieder die Koordination vom Atem und Stimme ganz bewusst wahrzunehmen.

Dann haben wir eine Partnerübung zu zweit gemacht, bei der wir unseren Partner immer wieder leicht vor und zurück, nach rechts und nach links wippen sollten. Eine Übung in der es zum Einen darum geht sich ganz dem Partner anzuvertrauen zu lernen und zum Anderen auch darum Verantwortung für den Partner zu übernehmen und achtsam mit ihm umzugehen. Immer wieder darauf zu achten, dass er bzw. sie beim Antippen nicht aus den Latschen kippt.

Dann sind wir in die Szene von Lena (Doris) und der Gouvernante (Sigrid) eingestiegen.

Die Gouvernante solle darauf achten nicht in die Tragödie abzurutschen, die Augen ganz ruhig zu halten und auf die Lena ausgerichtet zu bleiben.

Lena betrat heute zum ersten Mal mit einem Strauß Blumen die Bühne, sie summte ein Liedchen und vermittelte so beim Zuschauer den Eindruck, dass die Welt für sie in Ordnung ist und sie sich dem Tagträumen ganz hinzugeben weiß.

Dann, auf einmal, räuspert sich Lena, sie hustet. Wolfgang ruft umgehend, wenn der Husten kommt, dann mach unbedingt etwas damit. Auf keinen Fall übergehen. Dem inneren Regisseur ganz vertrauen und die Impulse, die Inspirationen verkörpern.

Im Anschluss kamen dann Leonce (ich) und die Hofmeisterin (Sigrid) auf die Bühne. Immer wieder probierten wir aus wie die Figuren aufeinander reagieren wollen.

In mir als Leonce stieg immer wieder der Gedanke auf, wo finde ich die rheinische Frohnatur, den kölschen Akzent, auf den wir uns am letzten Übungstag geeinigt hatten, wenn er gerade nicht von alleine aus mir heraussprudeln will. Ihn dann mit Kraft herbeizuziehen erscheint mir dann immer wieder so künstlich, so gestellt, so wirken wollend. Und genau darauf sollen wir ja, wie Wolfgang nicht müde wird zu betonen, verzichten. Ich merke dann wie ich mich die ganze Zeit selbst beobachte, mich bemühe locker und witzig, spritzig zu sein und die Spielfreude immer mehr verliere. Und da ich ja hier nicht in der Schule bin und es nicht darum geht etwas richtig zu machen, werde ich weiter beobachten, ob sich die Frohnatur irgendwann von alleine einstellen will, oder ob sie für immer fern bleibt.

Im schwarzem Bühnenraum sitz ein Mann mit einem goldenem Loebeerkranz meditierend auf dem Boden. Um ihn herum ist aus einem weißem Seil ein Kreis gelegt. Rechts von ihm steht eine schlanke Frau in burschikoser Haltung mit einem geschminkten Schnurrbart und einem blauen Hut.

Leonce wird von Valerio besucht.

Dann kam die Szene von Leonce und Valerio (Belgin) dran. Fantastisch mit welch einfachen Mitteln aus Rosetta (ebenfalls Belgin), die Figur des Valerio wird. Ein Hut, ein leicht angezeichneter Oberlippenbart reicht und aus der erotisch-lasziven Rosetta mit Doppel D, wird der burschikose, lebensfrohe Valerio.

Wolfgang gibt Valerio den Hinweis auch einmal zu Flüstern und so dem Zuschauer auch mal einen starken Kontrast zum selbstbewussten ausdrucksfreudigen Valerio zu bieten. Die Zuschauer sind sich in der anschließenden Feedback-Runde alle einig. Das Flüstern wirkt unheimlich. Unheimlich und Spannung erzeugend. Ein wahrer Genuss.

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