Leonce – ein Rollenstudium, Videobeitrag

Leonce – ein Rollenstudium, Videobeitrag

Von Gianni Sarto | 14 Oktober 2017 | 0 Kommentare

Sich den Text erarbeiten

Bei einer der ersten Proben ging es darum, sich den Text zu erarbeiten. Zu Beginn der Probe wurden, beim gemeinsamen Lesen des Ensembles im Übungsraum, die Korrekturen und Streichungen besprochen. Wir achteten alle sehr sensibel darauf, dass wir die Sinnbögen beibehalten. Einige Worte und Aussagen wurden auf deren Hintergrund durchleuchtet, z. B. dass mit „Nankinhosen“ Seidenhosen gemeint sind und in solchen Hosen Schlittschuh zu laufen einem die Kälte regelrecht unter den Stoff kriecht. Dies sind wunderbare Gestaltungsprozesse, denn für mich werden die Texte verständlich und für die Spieler füllen sie sich so mit spielbarem Leben.

Dieses Leben allerdings muss auf der Bühne gezeigt werden. So beginnt eine intensive und sehr mitreißende, aber auch zeitweise nervige Arbeit. Dank der einfühlenden Art von Wolfgang Regie zu führen und das sich Einlassen auf derlei Vorgänge bei den Spielern entsteht eine Symbiose zum Gelingen des Werks. Ein Beispiel hierzu zeigt dieses kleine Video, in dem Peter Schreck sich mit dem Text von Leonce anfreundet. Wie er darum kämpft ihn zu verstehen und ihn verständlich „rüber zu bringen“. Es zeigt auch die tiefgehende und geduldige Vorgehensweise von Wolfgang mit Slow Acting, seiner Methode, dass sich der Spieler Peter der Rolle des Leonce inhaltlich nähert. Das die Figur Leonce überhaupt weis, wovon sie spricht und dabei nicht der Spieler Peter an das denkt, was gleich kommen könnte. Unermüdlich macht Wolfgang auf Betonungen, auf Atempausen, auf ja oder nein, aufmerksam. Diese vielen Nuancen erzeugen eine total dichte Atmosphäre im Probenraum. Das ganze Ensemble ist dabei, es traut sich kaum zu atmen und nutzt freudig jede Gelegenheit, sich bei einer Pointe mit Lachen ein wenig Luft zu machen.

Diese Probe war wieder einer der Momente, die mir persönlich so am Herzen liegen. Es geht ums Ganze und in keiner Weise darum, etwas überzustülpen. So entstehen tiefe Begegnungen zwischen Spieler und Figur und letztlich für mich als Zuschauer.

Gruß

Gianni

 

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